Die Extreme

Wenn eine Krise entsteht, geht dies häufig damit einher, dass bewährte Lösungsmuster nicht mehr greifen, Unsicherheiten und Halt-Verlust entstehen.

Dies führt zu Druck und seelischen Spannungen die ausgehalten aber eben auch verarbeitet werden müssen.

Da alte Lösungsmuster nicht mehr greifen, muss man in solchen Situationen oft neue Herangehensweisen finden.

Unter Druck, namentlich unter Angst, sind diese neuen Verhaltensweisen aber oft nicht zuallererst durch die Vernunft bestimmt. Stattdessen werden Lösungsversuche zunehmend emotionaler und kommen schließlich auf der untersten Dichotomie von Verhaltensweisen an: angreifen oder flüchten!

Im Sinne dieser Logik bringen Krisensituationen die hochwertigsten Verhaltensweisen des Menschen ebenso vermehrt zum Vorschein wie die einfachsten oder, um ein Wort von Freud zu verwenden: die primärprozesshaften.
Primärprozess bedeutet nach Freud die Bedürfnisbefriedigung nach dem Prinzip: Ich will alles, jetzt sofort und ohne Rücksicht auf Verluste!

Die großartigen Angebote von Hilfsbereitschaft, die nun aller Orten aus dem Boden sprießen, stehen hierbei also den Alltagskämpfen im Supermarkt um ein Paket Toilettenpapier oder ein Kilo Mehl gegenüber, wie Video-Beispiele auf YouTube eindrucksvoll belegen.

Dass Aggressionen entstehen in einer unbekannten und druckvollen Situation, ist nicht verwunderlich. Es ist nicht einmal zu verhindern! Wie aber der einzelne und wir als Gesellschaft mit den notwendig entstehenden Aggressionen, deren Grundlage neu aufschließende Ängste sind, umgehen, hat eine große Bandbreite, sollte uns nicht beängstigen, kann die Gesellschaft bereichern, kann aber auch sehr gefährlich und zerstörerisch sein.

Hier sind wir alle aufgerufen, Lösungen zu finden, die unsere Gesellschaft und unser Wertesystem mindestens erhalten, im besten Falle sogar verbessern.

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