Der Wunsch nach Führung

Warum braucht es am Ende eine Ausgangssperre?

Es ist offenbar so, dass viele Menschen in unserem Land sich nicht von Argumenten beeinflussen lassen und wegen Corona zur Verlangsamung der Ausbreitung und damit um Leben zu schützen, zu Hause bleiben. Auch reichen die Appelle von Fachleuten oder Politikern nicht.

In Interviews hört man immer häufiger, dass man sich wünsche und auch daran halten würde, wenn es echte Verbote, also Ausgangssperren gäbe.

Weiterhin gibt es auch eine ganze Reihe von Äußerungen bei Umfragen, die besagen, dass man sich auch im Falle von Verboten nicht daran halten werde oder könne.

Wie kann man diese Verhaltensweise verstehen?

Offenbar können oder wollen eine ganze Reihe von Menschen sich nicht an eigene, innere Regeln, Einsichten oder Gebote halten, wie z.B.: Ich gefährde mich durch mein Verhalten, ich gefährde mir Nahestehende durch mein Verhalten, ich belaste und gefährde die (meine?) Gesellschaft als Ganzes durch mein Verhalten.

Es scheint anscheinend leichter zu sein, sich stattdessen an äußere, auferlegte Regeln zu halten.

Kleiner Exkurs, um sich dem Vsrständnis anzunähern: Ich frage mich seit Jahren, wie es folgendes Produkt geben kann und erst recht, wie es auch noch Käufer finden kann:

Es gibt sogenannte Bauchweggürtel oder Elektrodengürtel, die die Bauchmuskulatur dadurch trainieren sollen, dass durch elektrische Impulse aus dem Gürtel die Bauchmuskulatur zur Kontraktion veranlasst wird. Die Muskeln arbeiten also, die Anwendung ist somit anstrengend. Der einzige Unterschied zum „normalen“ Bauchmuskeltraining ist, dass nicht jede einzelne Trainingsbewegung durch eine Willensentscheidung absichtlich hergestellt werden muss. Man erspart sich also den Entscheidungs- und Willensaufwand, nicht aber die körperliche Anstrengung.

Könnte es sein, dass diese Ersparnis von psychischem Aufwand, also aktiv und aus Einsicht einen Verzicht zu üben, schwerer wiegt, als die objektiven Risiken?

Zum einen muss man aus dem beobachtbaren Verhalten folgern, dass das für eine nennenswerte Anzahl von Menschen in unserem Land bzw. in unserer Kultur so ist.

Zum anderen gehe ich weiterhin davon aus, dass hier wiederum eine Verleugnung und damit ein innerpsychisches Herunterspielen der Bedrohung stattfindet. Motto: „Ich halte das alles ja nicht für wirklich schlimm, aber wenn man mir das Rausgehen verbietet, dann muss ich mich dennoch daran halten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.