Quarantäne und Familien-Streit

Selbstverständlich gibt es in Familien mehr Spannungen und Streit, wenn alle mehr oder weniger zu Hause sein müssen aufgrund von Schulschließungen, Ausgangseinschränkungen oder Ähnlichem.

Das lässt sich überhaupt nicht vermeiden, aber ist das denn so schlimm?

Eine wesentliche Methode innerfamiliärer Streitvermeidung besteht in unserer modernen Kultur darin, dass alle Mitglieder einzelnen Interessen und Beschäftigungen nachgehen und man möglichst wenig Berührungs- und Reibungspunkte hat.

Nähe und Intensität von Beziehung bringt Reibung mit sich.

Auseinandersetzungen lassen sich reduzieren, wenn man sich weiträumig aus dem Weg geht.

Letzteres bedeutet aber Abstand, nebeneinander herleben, Desinteresse.

Innigkeit kann ungeheuer bereichern, aber es werden dann auch Differenzen spürbar.

Um an dieser Stelle eine späte Weisheit von Bud Spencer, den man normalerweise nicht verdächtigt, ein großer Philosoph gewesen zu sein, einfließen zu lassen:

Er sagte in einem Interview, dass Auseinandersetzungen nicht dazu da seien, zu gewinnen, sondern dazu, sich selbst besser kennenzulernen.

Erst in den Reibungen spürt man, wo man selbst aufhört und der andere anfängt, und wie wichtig ein Gegenüber ist, um sich selbst überhaupt spüren zu können.

Man möchte hinzufügen, dass Auseinandersetzungen, neben und trotz aller erwünschten Anteile eines Miteinanders, eine nicht zu unterschätzende Quelle von Bindung untereinander darstellen.

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