theoretischer Exkurs: Neu fühlen lernen? Ein anstrengender Denkanstoß

In direkter Übersetzung dessen, was Immanuel Kant über das Wesen der Aufklärung geschrieben hat, möchte ich dessen Gedanken über den „Gebrauch der Vernunft“ auf das Vermögen des Menschen zu fühlen anwenden:

Kant schrieb über die Aufklärung und den Gebrauch des Verstandes:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. “

Über das Fühlen könnte man analog Folgendes entwerfen:

Selbstverständnis/ Selbsterkenntnis/ Fühlen-Lernen ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Selbstentfremdung.

Selbstentfremdung besteht darin, dass wesentliche Teile, die zu einem gehören, unzugänglich sind und in der Folge entweder verkümmern oder ein unkontrolliertes Eigenleben zu führen beginnen.

Selbstverschuldet ist diese Selbstentfremdung, wenn der Mensch fürchtet, seine Gefühle differenziert wahrzunehmen und sie stattdessen lieber verleugnet oder verdrängt.

Sentire aude! Habe Mut dich aus deiner selbstverschuldeten Selbstentfremdung herauszuentwickeln und fühlen zu lernen!

und psychoanalytisch möchte man hinzufügen:

Habe wenigstens den Mut herauszufinden, warum du nicht differenzierter fühlen kannst oder willst, um dadurch wenigstens eine wirkliche Entscheidung zu haben, ob das so bleiben soll oder ob du etwas ändern willst.

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